Aufgabenbereiche und Zielsetzungen der Abteilung NELK
Die Abteilung für Neue Englischsprachige Literaturen und Kulturen (NELK) am Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität Frankfurt kann auf über drei Jahrzehnte Forschung und Lehre im Bereich der „New Literatures in English“ zurückblicken.
Die in den 1970er Jahren von Prof. Dieter Riemenschneider begründete und heute von Prof. Frank Schulze-Engler geleitete Abteilung widmet sich der Forschung und Lehre im Bereich der anglophonen Literaturen in Afrika, Asien, der Karibik, Kanada, Australien, Neuseeland und “Ozeanien sowie der „Black and Asian Literature“ in Großbritannien”.
Im Mittelpunkt der Arbeit der Abteilung steht dabei die theoretische, methodologische und lehrpraktische Vertiefung einer kulturwissenschaftlich fundierten komparatistischen Konzeption der neuen englischsprachigen Literaturen. Unter dem Oberbegriff „transkulturelle Anglistik“ soll so eine Alternative zum derzeit vieldiskutierten Konzept der „Postcolonial Studies“ erarbeitet werden. Während die „Postcolonial Studies“ notwendigerweise auf einen interdisziplinären Verbund ausgerichtet sind und sich nur schwer mit der disziplinären Architektur bestehender geistes-, kultur- oder gesellschaftswissenschaftlicher Fächer vereinbaren lassen, baut die transkulturelle Anglistik auf einer disziplinären Kernkompetenz in der anglistischen Literatur- und Kulturwissenschaft auf und eignet sich so in besonderer Weise dazu, den Bereich der neuen englischsprachigen Literaturen in theoretisch und methodisch anspruchsvoller Weise in der Anglistik zu verankern.
Die transkulturelle Anglistik trägt der im Zeichen globalisierter Modernisierungsprozesse weltweit zu beobachtenden Erosion traditioneller kultureller Grenzziehungen Rechnung (die oft genug mit der Akzentuierung neu konstruierter kultureller Differenzen einhergeht) und ermöglicht somit eine kulturwissenschaftlich fundierte komparatistische Beschäftigung mit englischsprachigen Literaturen in unterschiedlichsten Teilen der Welt. Hierdurch lassen sich nationalliterarisch oder regional verengte Sichtweisen der neuen englischsprachigen Literaturen vermeiden und Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Hinblick auf transkulturelle Entwicklungen, beispielsweise in Großbritannien („Black and Asian British Literature“, Migrantenkulturen, Multikulturalität) sichtbar machen. Ähnliches gilt für sogenannte „Diaspora“-Literaturen wie z.B. die karibische Diasporaliteratur in Nordamerika und Großbritannien oder die indische Diasporaliteratur in Afrika, Großbritannien, Kanada und den USA. Das Englische als Weltsprache und das global vernetzte System englischsprachiger Literaturen stellen einen Gegenstandsbereich dar, der sich hervorragend dazu eignet, kulturelle Komplexität in einer globalisierten Welt sichtbar zu machen. Die transkulturelle Anglistik kann so einen wichtigen Beitrag zur kulturwissenschaftlichen Öffnung, kurrikularen Modernisierung und konzeptionellen Weiterentwicklung der Anglistik leisten und gleichzeitig eine spezifisch anglistische Perspektive in interdisziplinäre Forschungsansätze zu Phänomenen wie Transkulturalität, Indigenisierung/Globalisierung der Moderne und kulturelle Globalisierung einbringen.
Zu den Zielsetzungen der Abteilung NELK gehören insbesondere:
- Entwicklung einer kulturwissenschaftlich orientierten komparatistischen Konzeption englischsprachiger Literaturen („Transkulturelle Anglistik“) und methodische Umsetzung dieser Konzeption in der anglistischen Lehre als Modellbeispiel für die deutsche Anglistik;
- Einbindung der Transkulturellen Anglistik in interdisziplinäre Forschung und Lehre in den Bereichen transnationale Kultur und globalisierte/indigenisierte Moderne;
- Förderung der nationalen und internationalen Kooperation im Bereich der neuen englischsprachigen Literaturen sowie der Internationalisierung des Anglistikstudiums;
- Mitwirkung bei der Entwicklung eines neuen Modells transkulturellen Lehrens und Lernens im Englischunterricht sowie bei der Verankerung der neuen englischsprachigen Literaturen im Englischunterricht und in der Lehrerfortbildung in Hessen;
- Kooperation mit Kultur- und Literaturinstitutionen im Rhein-Main-Gebiet.
Mit der NELK-Bibliothek im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften auf dem Campus Westend verfügen Lehrende und Studierende heute über eine der umfassendsten Fachbibliotheken zum Bereich der neuen englischsprachigen Literaturen im deutschsprachigen Raum. Die Sammlung umfasst nicht nur die Primärliteratur der einzelnen Regionen, sondern auch regionale sowie fachübergreifende kultur- und geschichtswissenschaftliche Materialien (inklusive einer Sammlung von DVDs, Videos und Tonträgern), sowie literatur- und kulturtheoretische Publikationen und eine Reihe einschlägiger Fachzeitschriften. Einzigartig ist das Archiv von Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätze der Abteilung NELK, die über viele Jahre hinweg von Lehrenden z.T. in den Ursprungsländern gesammelt wurden. Diese Sammlung wurde mittlerweile vollständig bibliographisch erfasst und steht Studierenden ebenfalls als Ressourcenmaterial zur Verfügung. Die linguistische Bibliothek des IEAS mit ihren Forschungsschwerpunkten Pidgin- und Kreolsprachen ergänzt den Bestand im sprachwissenschaftlichen Bereich; darüber hinaus stellen auch die Sondersammlungen des Frobeniusinstituts und der Universitätsbibliothek wichtige Ressourcen für Forschung und Lehre (insbesondere im Hinblick auf die anglophonen Literaturen Afrikas und Ozeaniens) dar.
Die Abteilung NELK gibt seit 1977 das halbjährlich erscheinende Mitteilungsblatt ACOLIT heraus, das über Forschung und Lehre im Bereich der neuen englischsprachigen Literaturen an deutschsprachigen Universitäten informiert, und arbeitet aktiv in der 1989 gegründeten Gesellschaft für die Neuen Englischsprachigen Literaturen (GNEL) mit. Die Abteilung NELK beteiligt sich des weiteren aktiv an der Arbeit des Zentrums für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) und des Zentrums für Nordamerikastudien (ZENAF) an der Johann-Wolfgang Goethe-Universität. Im Forschungskolloquium „Transkulturalität in der englischsprachigen Welt“ befassen sich Lehrende, Doktorand(inn)en und fortgeschrittene Studierende regelmäßig mit den neuesten Forschungsergebnissen in den Bereichen Transkulturalität, kulturelle Globalisierung sowie postkoloniale Literatur- und Kulturtheorie. Darüber hinaus gibt es ein von Prof. Schulze-Engler geleitetes Doktorandenkolloquium sowie einen „State of the Art Day“ zur Diskussion neuester Publikationen im Bereich der neuen englischsprachigen Literaturen / Postcolonial Studies und eine regelmäßige „In-House Conference“ für Postdoktorand(inn)en. Die Abteilung NELK bietet Studierenden und Nachwuchswissenschaftler(inne)n somit vom Grundstudium bis zum Post-Doc Level intensive Betreuung und ein anspruchsvolles wissenschaftliches Umfeld.